Die 6. Oldenburger Filmtage


Mo, 23.November, 20.00 Uhr, PFL
Film- und Medienbüro präsentiert:

Shalosh Ahayot


(Drei Schwestern)
Israel 1998, 67 min, 16 mm, OmU
Regie/Buch: Tsipi Reibenbach
Kamera: Roni Katsenelson, Davis Gurfinkel, Yoram Milo
Verleih: Freunde der Deutschen Kinemathek

Meine Mutter und meine beiden Tanten sind Schwestern. Karola ist mit achtundsiebzig jahren die Žlteste. Ester ist die Jünste, sie ist siebzig. Meine Mutter, Fruma, ist fünfundsiebsig jahre alt. Die drei haben den Holocaust in Arbeitslagern. Auch in fünfzig Jahren sind sie nicht in der Lage, über ihre Erfahrungen zu sprechen. Dies ist ein Film über ihr Trauma. Der Film zeigt die Gegenwart. Jetzt sind sie drei ältere Frauen. Karola ist bereits elf Jahre verwitwet und hat die Lust am Leben verloren. Sie lebt in einem Altersheim. Im Gegensatz zu Karola versucht Ester, zwischen den besuchen bei ihrem kranken gelähmten mann zu genießen. Sie liebt das Meer, Soap-operas und das Kartenspiel. Fruma ist hauptsächlich damit beschäftigt, zum Arzt zu gehen und Arztbesuche für ihren kranken Mann abzumachen. Drei ältere Schwestern, die von Zeit zu Zeit telefonieren und nicht nur mit ihrer Einsamkeit fertig werden, sondern auch mit dem Schatten der Vergangenheit, der sich nach fünfzig Jahren nicht in den Hintergrund drängen läßt. Fruma schreibt ihre Lebensgeschichte nieder. Sie und Karola haben im gleichen Lager gearbeitet. Karola will und kann weder über die Vergangenheit noch über die Gegenwart sprechen, weil sie Angst hat, zusammenzubrechen, wenn sie sich mit diesem traumatischen Abschnitt ihres Lebens befaßt. Ester sucht nach ihrer verlorenen Jugend, die sie im Arbeitslager verbringen musste. Alle drei haben nach dem Krieg geheiratet und Kinder bekommen. Jetzt sind sie alt geworden und leben ein ereignisloses Leben. ,Das Leben ist verstrichen und wir haben nichts erreicht." Der Film handelt von Menschen, deren Zeit abläuft, die sich im Alter vor dem Tod fürchten. Es ist ein Film über ein ganzes Leben und auch über den Tod und das Ende einer ganzen Generation, die in der nahen Zukunft nicht mehr bei uns sein wird. Während der Dreharbeiten ist Esters Ehemann gestorben und Karola hat versucht, sich umzubringen.


Gegenlicht Kino AG, zur Filmtage Hauptseite, 1.Nov.98 by Bertram