Die 6. Oldenburger Filmtage


Film- und Medienbüro präsentiert:

Das Porträt


Als wichtigen Bestandteil der Oldenburger Filmtage zeigen wir zum dritten Mal das Porträt einer feministischen Filmemacherin. Nach Pratibha Parmar, Jano Williams & Kim Longinotto fiel unsere Wahl dieses Jahr auf Trinh T. Minh-ha. Leider wird die Filmemacherin selbst nicht anwesend sein. Wir freuen uns, daß Madeleine Bernstorff während der gesamten Filmtage die Filme von Trinh T. Minh-ha begleiten wird.

"Auf eine bestimmte Weise macht eine Feministin immer zwei Gesten zur selben Zeit: die eine, insistierend auf die Differenz zu zeigen, und die andere, jede erreichte Definition von Frau ins wanken zu bringen. Wie ein Zen-Sprichwort sagt: zeige nie mit dem Finger, mit dem du auf den Mond zeigst, auf den Mond selbst." Trinh T.Minh-ha

Trinh T.Minh-ha's Arbeiten entstehen an einem hybriden Ort und gestatten keine der naheliegenden Kategorisierungen, sie entziehen sich mit poetischer und politischer Präzision den dumpfen, hegemonialen Schubladen, den Erfahrungen, von denen sie immer wieder in Interviews spricht. Es sind Filme, die sich weigern Nähe oder Allwissenheit oder Information zu behaupten und das eben nicht nur auf der inhaltlichen sondern auch auf der formalen Ebene, und die den eigenen Blick als einen von (post) kolonialen Vereinnahmungsstrategien geprägten zurückwerfen. Sie stellt bestimmte Stereotypen aus, arbeitet mit ihnen in einem nicht-affirmativen Raum, in einem Intervall zwischen Bild und Bedeutung.

Im Gerangel um die Importe von Cultural Studies in eine gesellschaftspolitische deutsche Wirklichkeit, die es in Windeseile geschafft hat, z.b. das ausgeleierte wort political correctness zu einem neo-konservativen Kampfwort zu machen, diese Arbeiten zugänglicher zu machen, war damals die Idee für die Film-und Vortragstournee und die Edition des Readers mit einigen Übersetzungen und dem bisher unveröffentlichten Originalscript zu SHOOT FOR THE CONTENS. Die Denkstile und Rechthabereien, das Asyl- und das Staatsbürgerrecht hierzulande sind allerdings sehr verschieden. Trinh T. Minh-ha's Ort ist jedoch schon vor und während des Importes hierher ein anderer, dessen Grenzen durch ihre Überschreitbarkeit definiert werden koennten ... Für mich persönlich war die Auseinandersetzung mit Trinhs Arbeit die Grundlage für eine Beschäftigung mit Immigrantinnenfilmen, die hier in Deutschland vor allem nach der Wende entstanden. Die Gefahr in der die Race-class-gender-diskussion schwebt, ist noch immer nicht die der akademischen Vereinnahmung sondern eher die der Abkoppelung und Mißachtung, des same old shit der verschiedensten, unausgesprochenen oder offen destruktiven Ausschlüsse. Ich wünsche uns allen anregende Diskussionen, denn über Trinh's Filme läßt sich wunderbar streiten!
Madeleine Bernstorff

Trinh T. Minh-ha: Filmemacherin, Autorin und Musikerin. Geboren in Vietnam, emigrierte 1970 nach Amerika. Lebte und unterrichtete in Paris 1974/75, in Dakar (Senegal) 1977-1980. Studierte Musik und Komposition sowie französische Literatur und Musikethnologie in Vietnam, auf den Philippinen, in Frankreich und in den USA. Zahlreiche Publikationen: u.a. ,Woman, Native, Other" (Writing Postcoloniality and Feminism) 1989, ,When the Moon Waxes red" (Representation, Gender and Cultural Politics) 1991, ,Framer Framed" (Filmscripts and Interviews) und Mitherausgeberin von ,Out There:Marginaisation in Contemporary Culture", 1990. Sie unterrichtet Women's Studies an der University of California, Berkely.

Filmografie:
Reassamblage, Senegal 1982, 40 min
Naked Spaces Living Is Round, Westafrika 1985, 135 min
Surname Viet Given Name Nam, Vietnam 1989, 108 min
Shoot for the contents, China 1991, 101 min
A Tale Of Love, USA 1995, 108 min


Gegenlicht Kino AG, zur Filmtage Hauptseite, 1.Nov.98 by Bertram