Samstag 21.Novemver 1998, 20.00 Uhr, Uni-Aula
Gegenlicht präsentiert:
"Ich mag keine Bilder, die eindeutig sind.", sagt David Lynch über LOST
HIGHWAY, daher ist dieser Film vielleicht ein Horrorfilm, vielleicht ein
Thriller, aber in erster Linie ein Geheimnis.
Zum Inhalt: Teil eins des Films führt uns in eine licht- und freudlose
Wohnhöhle über Los Angeles, das düstere, halbleere Domizil
Fred Madisons und seiner brünetten Frau Renee. Der Jazzsaxophonist
verläßt die depressive Trutzburg nur für kurze, ekstatische
Konzertauftritte, weil ihn krankhafte Eifersucht zerfrißt. Bis
mysteriöse Videobänder vor der Tür liegen, die das Paar
schlafend im Ehebett fixieren. Auf einer Party begegnet Fred einem
unheimlichen, gnomenhaften Fremden, der ihm via Telefon glaubhaft
demonstriert, zur selben Zeit in Freds Wohnung zu sein. Am nächsten
Morgen wird Fred wegen Mordes an Renee verhaftet. Kurze Videoflashs zeigen
einen zerstückelten Frauenkörper, während sich Fred an nichts
erinnern kann. Im Gefängnis plagen ihn mörderische Kopfschmerzen,
die ihn regelrecht aus der Haut fahren lassen: anderntags sitzt der junge
Mechaniker Pete Dayton an seiner Stelle in der Zelle, von Fred keine Spur.
Damit beginnt ein komplett anderer Film, Teil zwei...
"Lost Highway ist die Geschichte eines Mörders, der unter akuter
Schizophrenie leidet", schreibt David Lynch in seinem Vorwort zum Drehbuch.
"Der Blickwinkel des Films ist der der verschiedenen Persönlichkeiten
eben dieses Mörders. Diese ungewöhnliche Perspektive wird nach und
nach aufgedeckt, je weiter die Geschichte sich entwickelt. An der
Oberfläche ist LOST HIGH-WAY die Geschichte eines Mannes, der seine
Frau umbringt, weil sie ihn betrügt. Auf tieferen Ebenen handelt der
Film von der zersplitternden Persönlichkeit des Mörders und deckt
eine ganze Palette von Emotionen und Motivationen ab - Wut, Angst, Trauer
und Erniedrigung - die sich alle verbinden, um zu zeigen, mit welcher Kraft
der Verstand selbst betrügen kann. Der Verstand zieht sich zurück,
wenn der Horror des Lebens und der Horror der eigenen Taten
unerträglich werden. Für Lynch-Fans ist der Film ein Fest, denn
er erfüllt alles, was man von dem neueren Werk eines geschätzten
Künstlers erwartet - ein nahtloses Einreihen in das Ouvre, neue,
aufregende Variationen vertrauter Themen und Obsessionen-und übertrifft
diese Erwartungen sogar noch, indem er die bisherigen Grenzen des Lynchschen
Universums noch einmal sprengt und erweitert.
Gegenlicht Kino AG, zur Filmtage Hauptseite, 1.Nov.98 by Bertram