Die 6. Oldenburger Filmtage


Samstag 21.Novemver 1998, 20.00 Uhr, Uni-Aula
Gegenlicht präsentiert:

Überraschungskurzfilm

Lost Highway


USA 1996, 135 min, 35mm OmU
Regie: D.: David Lynch D.: Bill Pullman, Patricia Arquette, Balthazar Getty

"Ich mag keine Bilder, die eindeutig sind.", sagt David Lynch über LOST HIGHWAY, daher ist dieser Film vielleicht ein Horrorfilm, vielleicht ein Thriller, aber in erster Linie ein Geheimnis.
Zum Inhalt: Teil eins des Films führt uns in eine licht- und freudlose Wohnhöhle über Los Angeles, das düstere, halbleere Domizil Fred Madisons und seiner brünetten Frau Renee. Der Jazzsaxophonist verläßt die depressive Trutzburg nur für kurze, ekstatische Konzertauftritte, weil ihn krankhafte Eifersucht zerfrißt. Bis mysteriöse Videobänder vor der Tür liegen, die das Paar schlafend im Ehebett fixieren. Auf einer Party begegnet Fred einem unheimlichen, gnomenhaften Fremden, der ihm via Telefon glaubhaft demonstriert, zur selben Zeit in Freds Wohnung zu sein. Am nächsten Morgen wird Fred wegen Mordes an Renee verhaftet. Kurze Videoflashs zeigen einen zerstückelten Frauenkörper, während sich Fred an nichts erinnern kann. Im Gefängnis plagen ihn mörderische Kopfschmerzen, die ihn regelrecht aus der Haut fahren lassen: anderntags sitzt der junge Mechaniker Pete Dayton an seiner Stelle in der Zelle, von Fred keine Spur. Damit beginnt ein komplett anderer Film, Teil zwei...
"Lost Highway ist die Geschichte eines Mörders, der unter akuter Schizophrenie leidet", schreibt David Lynch in seinem Vorwort zum Drehbuch. "Der Blickwinkel des Films ist der der verschiedenen Persönlichkeiten eben dieses Mörders. Diese ungewöhnliche Perspektive wird nach und nach aufgedeckt, je weiter die Geschichte sich entwickelt. An der Oberfläche ist LOST HIGH-WAY die Geschichte eines Mannes, der seine Frau umbringt, weil sie ihn betrügt. Auf tieferen Ebenen handelt der Film von der zersplitternden Persönlichkeit des Mörders und deckt eine ganze Palette von Emotionen und Motivationen ab - Wut, Angst, Trauer und Erniedrigung - die sich alle verbinden, um zu zeigen, mit welcher Kraft der Verstand selbst betrügen kann. Der Verstand zieht sich zurück, wenn der Horror des Lebens und der Horror der eigenen Taten unerträglich werden. Für Lynch-Fans ist der Film ein Fest, denn er erfüllt alles, was man von dem neueren Werk eines geschätzten Künstlers erwartet - ein nahtloses Einreihen in das Ouvre, neue, aufregende Variationen vertrauter Themen und Obsessionen-und übertrifft diese Erwartungen sogar noch, indem er die bisherigen Grenzen des Lynchschen Universums noch einmal sprengt und erweitert.


Gegenlicht Kino AG, zur Filmtage Hauptseite, 1.Nov.98 by Bertram