Die 6. Oldenburger Filmtage
Blickpilotin e.V.
Filmfestivals sind ein Rausch für wenige Tage. Mit etwas Glück hat
sich am Ende mein innerer Bilderschatz erweitert - und ich habe interessante
Kontakte geknüpft, die mich durch die festivalfreie Zeit begleiten. ...
Die Ausgangsposition der Blickpilotin war damals: Wir brauchen das Kino
jeden Tag!
Deshalb gründeten wir 1989 zunächst die ,Initiative für ein
Feministisches Kommunales Kino", einen Zusammenschluß Berliner
Kinomacherinnen, Filmemacherinnen und -forscherinnen. Wir wollten einen
gemeinsamen, von uns Frauen atmosphärisch bestimmten Ort, an dem die
angemessene Präsentation der Filmarbeiten von Frauen aller Länder
und Zeiten die Hauptsache sein sollte, aber auch die von Männern
gemachte Filmgeschichte sollte mit besonderem Augenmerk auf ihre
Weiblichkeitsdarstellungen vorgestellt werden.
Bislang gibt es diese ,feministischen Lichtspiele" nicht, aber ich höre
nicht auf, davon zu träumen. Derweil unterhalten wir ein Büro in
Berlin-Kreuzberg, das uns als Treffpunkt dient und das Blickpilotin -Archiv
beherbergt: eine große Sammlung feministischer Filmliteratur,
Programmblätter, Festival- und Verleihkataloge etc. Hier beginnen viele
unserer Recherchen für die Filmabende und -reihen, die wir in
verschiedenen Kinos und Institutionen veranstalten. In den vergangenen
Jahren waren dies sowohl umfangreiche Länder- und Themenreihen mit
Filmen lateinamerikanischer und arabischer Regisseurinnen oder zu Nonnen im
Spielfilm wie auch einmalige Filmvorführungen mit anschließender
Diskussionsmöglichkeit. Zu dem Film ,Liebe Frauen und Blumen" von Marta
Rodriguez und Jorge Silva über Blumenzucht luden wir beispielsweise
einen Vertreter des Pestizid-Aktionsnetzwerkes zum Gespräch ein, und
die Filmwissenschaftlerinnen Annette Förster und Noll Brinckmann
stellten ihre Thesen zu neueren lesbischen Filmen bzw. zur Bedeutung der
,Farbe in Experimentalfilmen von Frauen" vor.
Die Filme von Trinh T. Minh-ha wurden von ihrem Vortrag und einem Reader
begleitet. Auch zu einigen früheren Regisseurinnen/Drehbuchautorinnen,
deren Filme wir zum Teil als Berliner Erstaufführungen
präsentieren konnten, gaben wir Broschüren oder Textsammlungen
heraus: Elvira Notari, Muriel Box, Marie Menken, Marie-Luise Iribe
gehören zu unseren Wiederentdeckungen aus vergangenen Zeiten.
Daneben fordern wir aber auch immer wieder die Filmfrauen der Gegenwart -
wie die Experimentalfilmerinnen Barbara Hammer oder Karola Schlegelmilch -
dazu auf, ihre Arbeiten zu zeigen und zu dokumentieren.
Im September letzten Jahres wurde eine Zusammenkunft von fünf
europäischen FrauenFilmFestivals mit einem vielfältigen
Filmprogramm, Diskussionen, dem Schwerpunktthema ,Ohneland" und einer
Auswahlschau unter dem Namen "Filme mit Herz und Pfeil" organisiert. Diese
Veranstaltungsreihe wurde unversehens selbst zu einer Art Festival.
Ein weiterer Schwerpunkt unserer Arbeit ist die Beratung von Kinos,
Festivals, Institutionen sowie die Unterstützung von Einzelpersonen,
die in der Filmgeschichte von Frauen forschen.
Madeleine Bernstorff stellt das Berliner Projekt anhand von Filmbeispielen
vor
Anschrift:
Blickpilotin e.V., 10969 Berlin,
Ritterstraße 11, Treppenhaus 1, 4. Stock,
Tel./Fax 030/6159271
Gegenlicht Kino AG,
zur Filmtage Hauptseite, 1.Nov.98 by Bertram